Schwangerschaftsdiabetes: Vermeidbares Risiko

15. Januar 2012 | Von | Kategorie: Allgemein
Schwangerschaft

Schwangerschaft

Wenn in der Schwangerschaft plötzlich ein Diabetes mellitus entwickelt wird, kann dies zwei Ursachen haben. Es kann zum einen sein, dass schon vor der Schwangerschaft ein latenter Diabetes mellitus Typ 2 bestand, dieser aber erst durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft und durch den erhöhten Nährstoffbedarf bemerkt wird. Wenn dies der Fall ist, spricht man von einem sekundären Schwangerschaftsdiabetes.Zum anderen aber kann ein Diabetes mellitus ohne scheinbaren Grund in der Schwangerschaft auftauchen und nach der Schwangerschaft auch wieder beendet sein. In diesem Fall spricht man vom Gestationsdiabetes oder dem echten Schwangerschaftsdiabetes oder aber auch vom Diabetes mellitus Typ 4.
Der Gestationsdiabetes ist unbehandelt eine gefürchtete Komplikation und kann den sich entwickelnden Embryo schwer schädigen.
Laut neuesten Studien ist die Hormonumstellung und die vermehrte Ausschüttung von weiblichen Hormonen wie Östrogen, Progesteron, Cortisol und Prolactin die Hauptursache für den Schwangerschaftsdiabetes und auch der Grund, warum er meistens nach der Schwangerschaft wieder “geheilt” ist.
Die Hormone führen an den Zellen durch einen noch ungeklärten Mechanismus zu einer Insulinresistenz, welche die Bachspeicheldrüse auch mit vermehrter Produktion von Insulin nicht mehr ausgleichen kann, so dass es zu den typischen Symptomen eines Diabetes mellitus kommt.

Es wurde zudem herausgefunden, dass es bestimmte Risikofaktoren gibt, die eine Entwicklung des Schwangerschaftsdiabetes begünstigen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Übergewicht mit einem BMI über 27 vor der Schwangerschaft, bekannter Diabetes mellitus Typ 2 in der Familie (hohe Erblichkeit), mütterliches Alter über 30, exzessive Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, gestörte Glucosetoleranz vor der Schwangerschaft, ein früheres Kind mit einem Geburtsgewicht von über 4500 g und ein Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft.

Die betroffenen Frauen merken davon im Grunde nichts. Alle sonst Diabetes-typischen Symptome, wie vermehter Harndrang oder stärkeres Durstgefühl, können auch in einer normalen Schwangerschaft auftauchen und vertuschen so den Schwangerschaftsdiabetes.
Die eigentliche Gefahr des Gestationsdiabetes besteht für den Embryo. Während eines Schwangerschaftsdiabetes kann durch den erhöhten Blutzucker die Plazenta geschädigt werden, so dass die Nährstoffversorgung des Fetus unzureichend wird und bis zu seinem Tod führen kann. Darüber hinaus gelangt durch die Nabelschnur zu viel Glucose zum Fetus, der dadurch zu viele Kohlenhydrate aufnimmt und sozusagen “aufgebläht” wird (Makrosomie). Dies kann zu einer Reifungsstörung der Lunge führen, was dann nach der Geburt Atemnotsymptome hervorruft. Da der Embryo während der Schwangerschaft viel Insulin produziert, um die Überzuckerung durch die Mutter auszugleichen, fällt das Kind nach der Geburt in einen Zustand der Unterzuckerung, da die externe hohe Glucosezufuhr plötzlich wegfällt. Die Unterzuckerung kann unbemerkt zum Tod durch Koma führen. Ein Kind, dessen Mutter einen Schwangerschaftsdiabetes hatte, hat ein höheres Risiko später das metabolische Syndrom auszubilden und selber an Diabates mellitus Typ 2 zu erkranken. Auch ist die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt während der Geburt höher.

Der effektivste Schutz gegen einen Schwangerschaftsdiabetes besteht darin, die Risikofaktoren zu reduzieren, vor der Schwangerschaft ein normales Gewicht zu haben und wenn möglich, eine Schwangerschaft in höherem Alter zu vermeiden.
Sollte es dennoch zu einem Schwangerschaftsdiabetes kommen, kann die werdende Mutter durch eine Ernährungsumstellung und bei Bedarf durch Medikation gut behandelt werden, so dass die Folgeschäden für den Embryo so gering wie möglich gehalten werden können.
Von Experten werden dabei kleine, aber dafür häufige Mahlzeiten empfohlen, sowie der Verzicht auf schnell resorbierbare Kohlenhydrate und Süßgetränke wie Limonade.

Schlagworte: ,

Schreibe einen Kommentar