Neue Studie – Vermeidung von Lipohypertrophie stabilisiert schwankende Blutzuckerspiegel bei Diabetikern

6. November 2014 | Von | Kategorie: Wissenswertes

Laut einer neuen Studie können durch die Vermeidung von Lipohypertrophie (ugs. „Spritzhügel“) die Schwankungen des Blutzuckers stabilisiert werden. Das gute daran ist: Jeder Betroffene kann durch kleine Umstellungen selbst dazu beitragen seinen Blutzuckerspiegel konstanter zu halten. Laut M. Blanco (Novartis Pharma) et al. (und anderen führenden Teilnehmern der Studie) reicht schon eine gute Spritztechnik aus um Lipohypertrophie zu vermeiden und somit eine Über- oder Unterzuckerung deutlich zu verringern.

Lipohypertrophie

Unter der sogenannten „Lipohypertrophie“ versteht man eine gutartige Schwellung und/oder eine Verhärtung des Fettgewebes unter der Haut. Die Studie, unter der Leitung von Blanco et al. fand heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen dem schwankenden Blutzuckerspiegel und der häufig auftretenden Lipohypertrophie gibt. Diese Zunahme von subkutanem Fettgewebe trat sehr häufig an den Stellen auf, an denen sich Blutzuckererkrankte wiederholt Insulin verabreichten. Die Folge davon ist, dass die Haut (der Körper) das Insulin ungleichmäßig in sein biologisches System aufnehmen kann: Die Resorption ist gestört. Durch die ungleichmäßige Aufnahme kommt es zu den Schwankungen des Blutzuckerspiegels. So kann es sowohl zu einer Unterzuckerung als auch zu einer Überzuckerung kommen. Diese Schwankungen in den Griff zu bekommen ist für die Leidtragenden äußerst wichtig. Durch einen schwankenden Blutzuckerspiegel ist die Gefahr von Langzeitschäden erhöht. Zu diesen schwerwiegenden Gesundheitsschäden gehören beispielsweise:

  • Nervenschäden
  • Netzhautschäden
  • Nierenschäden

Kleine Veränderungen – große Wirkung

Blanco et al. fanden heraus, dass durch kleine Änderungen am Spritzverhalten ein gutes Ergebnis in Bezug auf die Vermeidung von Lipohypertrophie erreicht werden kann. Hierzu dient vor allem eine gute Spritztechnik. Um die Spritztechnik zu verbessern gibt es mehrere Varianten. Die Insulinverwender sollten eine Rotation der Spritzstellen aufrecht erhalten. Dass heißt, sie sollen die Stellen, an welche die Spritzen angesetzt werden, nicht wiederverwenden sondern wechseln. Auch von einer Wiederverwendung von Kanülen und Pen-Nadeln ist abzuraten. Blanco et al. warnen vor der erneuten Verwendung von Kanülen, da diese nach der ersten Benutzung stumpf sind. Somit wird bei jeder weiteren Verwendung das Hautgewebe unnötig mehr beschädigt. Eine Beobachtung in der Studie war, dass Lipohypertrophie bei Patienten deutlich stärker erkennbarer war, welche Kanülen und Pen-Nadeln wiederverwendeten.  Aus einer anderen, in Europa durchgeführten, Studie zur Spritztechnik von Diabetikern geht hervor, dass blutzuckererkrankte Menschen, welche Nadeln und Kanülen öfter als einmal benutzen, ein um 31% erhöhtes Risiko einer Lipohypertrophie haben. Da der Patient seine Einstichstellen öfters wechseln soll, ist das Risiko erhöht das Insulin intramuskulär zu injizieren. Dieses erhöhte Risiko besteht darin, dass die Einstichfläche, auf welcher der Patient rotieren soll, unterschiedlich dicke subkutane Fettschichten aufweisen kann. Deshalb, so Blanco et al., sollte der Blutzuckererkrankte kurze 4mm Pen-Nadeln benutzen. Diese kurzen Nadeln vermindern das Risiko einer Insulininjektion ins Muskelgewebe und schaffen es gleichzeitig das Heraustreten von Insulin nach dem Einstich zu verringern. Aus vielen Erfahrungsberichten geht hervor, dass die Betroffenen durch die kürzeren Nadeln weniger Schmerzen erleiden, was zu einer besseren Lebensqualität, höherer Therapietreue und zu einem besseren psychischem Befinden beiträgt.

 

Statistische Ergebnisse der Studie

Die Studie erwies, dass zwei Drittel der Verwender von Insulin (64%) unter Lipohypertrophie litten. Den Ergebnissen der Studie von Blanco et al. zufolge trat eine Unterzuckerung ungeklärter Ursache bei 39,1% der Patienten auf, die eine Lipohypertrophie aufwiesen. Bei Patienten ohne Lipohypertrophie war dies ein wesentlich geringerer Teil, nämlich nur 5,9%. Weiterhin konnte man bei nur 6,5% der Patienten ohne Veränderung des Fettgewebes eine Schwankung des Blutzuckerspiegels feststellen, wohingegen 49,1% der Patienten mit Lipohypertrophie eine Schwankung des Blutzuckerspiegels vorwiesen. Eine der bemerkenswertesten Feststellungen der Studie von Blanco et al. war, dass man Lipohypertrophie bei 98% der Patienten nachweisen konnte, welche die Spritzstelle gar nicht oder falsch wechselten. Während Patienten, die korrekt rotierten, nur zu 5% betroffen waren.

 

Fazit

Durch kleine Veränderungen der Spritzgewohnheiten von Patienten kann ein deutlicher Mehrgewinn an Lebensqualität gewonnen werden. Vor allem aber kann Lipohypertrophie gegen null gesenkt werden. Außerdem sind enorme Kosteneinsparungen möglich. Denn neben den oben genannten Zahlen, erweist die Studie, dass sich durch das richtige Spritzverhalten sehr viel Geld einsparen lässt – bei Patienten und dem Gesundheitswesen. Aus der Studie geht hervor, dass Lipohypertrophie als Barriere für das Insulin wirken kann. So brauchen Insulinanwender ohne Lipohypertrophie durchschnittlich 15 Einheiten weniger Insulin pro Tag als Patienten mit Lipohypertrophie. Das wären auf Deustchland umgerechnet eine Ersparnis von ca. 210 Millionen Euro für Gesundheitswesen und Patienten.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 50522111-by-Dmitry Lobanov

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